Neben Hirten, die mit ihren Herden auf den spärlichen Weiden am Karnischen Kamm unterwegs waren, kamen vor allem Jäger im Zuge der Gemsenjagd in die Hochregionen des Karnischen Kammes. Viele Erstbesteigungen von Gipfeln erfolgten durch Jäger, die bei der Verfolgung des flüchtigen Wildes bis in die Gipfelregionen vordrangen. Doch etliche von ihnen waren als Wilderer unterwegs, weshalb nur wenige Aufzeichnungen darüber existieren. Die Besteigung des Kollinkofels (2.742 m) durch Anton Riebler aus Mauthen gilt jedoch als gesichert. Nach der neuen Grenzziehung im Jahr 1753 waren auch Schmuggler auf ausgesetzten Pfaden im Hochgebirge unterwegs. Wallfahrer kamen bereits ab dem 16. Jahrhundert über die Pässe nach Maria Luggau.

Beginn des Alpinismus

Der Beginn des Alpinismus und der Erschließung in den Karnischen Alpen setzte dann ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Viele der Wilderer und Schmuggler, die vorher notgedrungen in den Bergen unterwegs waren, verdingten sich nun als ortskundige Führer. 1849 wurde der Reißkofel von Wiener Bergtouristen bestiegen. Paul Grohmann bestieg 1865 mit zwei Führern aus dem Lesachtal und dem benachbarten Colina die Hohe Warte.

Gebirgsfront - Erster Weltkrieg

In der Zeit bis zum Ersten Weltkrieg erlebte die Erschließung des Gebietes ihren Höhepunkt, doch durch den Ausbruch des Krieges wurde der Alpin-tourismus und der Fremdenverkehr schlagartig beendet. Der Karnische Kamm wurde zur Gebirgsfront. Ein dichtes Netz an Wegen, so genannte Frontwege, und Stellungen wurden errichtet. Im Zuge der Kriegshandlungen wurde auch die Wolayersee-Hütte vollkommen zerstört. Nach dem Krieg wurden allmählich die zerstörten Schutzhütten wieder errichtet, doch von 1938 bis 1945 prägten erneut Krieg und Zerstörung die Region. Eine von der Besatzungsmacht verhängte Sperrzone im Gail- und Lesachtal unterband nach dem Krieg jegliche Ansätze des Bergsteigens. Doch auch nach deren Aufhebung begann die Wiederbelebung des Bergsteigens am Karnischen Kamm nur schleppend, da die Stützpunkte für Alpinisten fehlten. Als Folge war der Karnische Höhenweg immer mehr dem Verfall preisgegeben.

Karnischer Höhenweg

1970 setzten sich die Dolomitenfreunde mit Hilfe des Österreichischen Alpenvereins für die Instandsetzung des Karnischen Höhenweges und der Hütten ein, bereits sechs Jahre später war der Weg als durchgehende Verbindung von Sillian bis Arnoldstein fertiggestellt und wurde offiziell seiner Bestimmung übergeben. Der Karnische Höhenweg führt heute als Friedensweg durch das Österreichisch-Italienischen Grenzgebiet am Karnischen Kamm, dessen Vergangenheit von Krieg und Zerstörung geprägt wurde. Zahlreiche Relikte wie Steiganlagen und Stellungen, aber auch Kriegerfriedhöfe erinnern an die dunkle Geschichte dieser Region.

Lienzer Dolomiten

Im Gegensatz zu den Karnischen Alpen waren die Lienzer Dolomiten weniger stark von den Kriegswirren betroffen. Die langjährige Forschungs- und Erschließungstätigkeit brachten das Bergsteigen in diesem Gebiet auf ein hohes Niveau und nehmen eine bedeutende Stellung im österreichischen Bergsteigertum ein.

Über den Kofelpass kamen bereits ab dem 16. Jahrhundert Wallfahrer nach Maria Luggau, das gezielte Vordringen auf die Gipfel der Lienzer Dolomiten begann Ende des 18. Jahrhunderts durch Botaniker und Geologen, die zu wissenschaftlichen Zwecken in die Berge stiegen. Prof. Vulpius forschte 1855 auf der Mussenhöhe nach botanischen Besonderheiten.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts setzte der Beginn des Alpinismus und der Erschließung der Lienzer Dolomiten ein. Adolf Schaubach bestieg 1845 den Lumkofel und die Tamerlanhöhe, 1855 begann das Wirken von Franz Keil, der neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit auch bergsteigerisch erfolgreich war. Schon bald bildete sich um Josef Anton Rohracher eine kleine Gruppe von Lienzer Bergsteigern, die in den Lienzer Dolomiten zahlreiche Erstbegehungen durchführten.

Um die Jahrhundertwende waren es Bergsteiger aus Wien und Graz, die sich an große Wandklettereien heranwagten. Die folgenden Jahrzehnte waren geprägt durch die weitere Erschließung immer schwieriger werdender Unternehmungen aber auch von großen Erfolgen. Viele Größen der Alpingeschichte, wie Hubert Peterka und Karl Prusik eröffneten Anstiege in immer höheren Schwierigkeitsgraden.