Reichenau war seit dem Mittelalter das Zentrum der gleichnamigen Herrschaft, die von Herzog Otto dem Fröhlichen an das Zisterzienserkloster Neuberg an der Mürz übertragen wurde. 450 Jahre verwalteten die Mönche die Herrschaft Reichenau, wobei das 1256 erstmals urkundlich erwähnte Schloss Reichenau der Sitz der geistlichen Verwaltung war. Später im 17. Jahrhundert wurde das Schloss zu einem repräsentativen Wasserschloss umgebaut.

Schon in der Bronzezeit besaß Reichenau eine große Bedeutung für den Bergbau, der ab dem 18. Jahrhundert verstärkt betrieben wurde. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Erzabbau aufgrund sinkender Rentabilität eingestellt.

Bis in das 19. Jahrhundert entwickelte sich Reichenau durch den einsetzenden Tourismus von einer kleinen Siedlung zu einem prominenten Kurort. Bereits in der Biedermeierzeit war Reichenau ein beliebter Stützpunkt für Wanderer, Bergsteiger und Sommerfrischler, und verfügte dadurch schon sehr früh über eine touristische Infrastruktur. Nikolaus Lenau, Ferdinand Raimund und Erzherzog Karl sind nur einige der prominenten Besucher, die in Reichenau nicht nur die wild-romantische, ursprüngliche Natur, sondern auch den Komfort der Gasthöfe schätzten.

Ein regelrechter Ausflugsboom setzte mit der Eröffnung der Südbahn und der Semmeringbahn ein. Reichenau wurde im Sommer zum Treffpunkt der eleganten Wiener Gesellschaft: Künstler, Politiker und Gelehrte, unter ihnen Arthur Schnitzler, Peter Altenberg und Sigmund Freud, verbrachten ihre Sommerfrische im Kurort. Der Aufenthalt der kaiserlichen Familie trug dabei enorm zur Entwicklung zum Nobelkurort Reichenau bei. Neben dem Adel, der Reichenau auch als Stützpunkt zur Jagd nutzte, waren es vor allem auch prominente Bürgerliche und der Geldadel, die in Reichenau prunkvolle Gebäude, Villen, Hotels und Gärten errichten ließen. Um die Wende des 20. Jahrhunderts war der Höhepunkt der Bautätigkeit und der touristischen Erschließung erreicht: die ersten Kuranstalten entstanden und auf der Rax wurden Schutzhäuser und ein markiertes Wegenetz errichtet. Den Abschluss dieser Entwicklung bildete der Bau der Raxseilbahn, der ersten Personenseilbahn Österreichs.

1928 wurde Reichenau, gemeinsam mit Prein und Edlach, zum Kurort erhoben und 1958 erfolgte schließlich die Erhebung zum Markt.
Ein berühmter Sohn der Marktgemeinde Reichenau ist Otto von Habsburg, der im Schloss Wartholz geboren wurde. Obwohl manche Kurhotels aufgrund von Bauschäden aus der Besatzungszeit dem Abriss zum Opfer gefallen sind, versprüht Reichenau als Nobelkurort der alten österreichisch-ungarischen Monarchie auch heute noch den Charme des Fin de siècle.