Auch den Bergsteigern ist Ramsau als idealer Ausgangsort für Gipfeltouren nicht verborgen geblieben. Der Watzmann wird bereits im August 1800 von dem Slowenen Valentin Stanic erstiegen. Im Jahr 1830 gelingt dem Salzburger Bischof Fürst Friedrich von Schwarzenberg mit den Ramsauer Gamsjagern Tatz und Wein die Erstbesteigung des Hochkaltergipfels (2607 m). Tatz und Wein gehören somit zu den Vorläufern der Erfolgsgeschichte der Ramsauer Bergführer. 1875 erfolgt die Gründung der Sektion Berchtesgaden im Deutschen Alpenverein.

Der "Kederbacher" - Deutschlands erster Bergführer

Zu den ersten Mitgliedern gehört auch der Ramsauer Bergführer Johann Grill vom Kederbachlehen. Ihm gelingt am 6. Juni 1881 mit dem Wiener Bergsteiger Otto Schück die Erstdurchsteigung der Watzmann-Ostwand. Der “Kederbacher” ist erster autorisierter Bergführer Deutschlands und zählte zu den weltweit besten Führern seiner Zeit.

Alpintouristische Erschließung

Dem großen Ansturm von Bergfreunden aus aller Welt wird mit dem Neu- und Ausbau von Berghütten Rechnung getragen. So wird 1888 nach 14-monatiger Bauzeit das Watzmannhaus auf 1928 m Höhe erbaut und 1898 errichtet man auf dem Hocheck eine hölzerne Unterstandshütte. Leider lassen auch Unfälle in den Bergen nicht lange auf sich warten, schon im Jahr 1900 sterben zwei Münchner Studenten am Watzmann. Bei der Bergung der Verunglückten helfen Ramsauer Burschen. Die Gründung einer Bergwachtbereitschaft erfolgt erst im Jahr 1945. Erster Bereitschaftsleiter ist Raphael Hang.

1874 gründet Lehrer Martin Westermayr den Verschönerungsverein Ramsau als 11. Sektion des Verschönerungsvereins Berchtesgaden. (1907 Gründung eines eigenen Vereins in Ramsau). Dieser bemüht sich, den steigenden Anforderungen der Besucher und Gäste der Ramsau Rechnung zu tragen. Der seit 1847 begehbare Triftsteig durch die Wimbachklamm wird erneuert und ausgebaut. Weitere Wege und Steige werden angelegt, im Jahr 1922 kann unterhalb des Blaueisgletschers von der Alpenvereinssektion Hochland in 1750 m Höhe eine Schutzhütte errichtet werden, die Eröffnung der Wimbachgrieshütte (1327 m) als alpiner Stützpunkt des Touristenvereins “Die Naturfreunde” München erfolgt zwei Jahre später.

Interessenten des Naturschutzes wehrten sich erfolgreich gegen den geplanten Bau einer Sesselbahn auf den Watzmann. Die Pläne wurden bis in die heutige Zeit nicht verwirklicht. Ein wichtiger Aspekt in der Erschließung der Ramsau ist der Bau der Queralpenstraße, heute Deutsche Alpenstraße durch das Gemeindegebiet der Ramsau ab dem Jahr 1934. Als Stützpunkt für Bergsteiger im Reiteralmgebirge eröffnet 1938 die neue Traunsteiner Hütte (1560 m).

Herman Buhl

1945 geht die Regierungsgewalt in die Hände der amerikanischen Besatzungsmacht über. Ab 1950 nimmt der Fremdenverkehr und das Bergsteigerwesen in der Ramsau wieder zu. Der Innsbrucker Bergsteiger Hermann Buhl heiratet “sein Generl” aus der Ramsau und verlegt nach dem Bau eines Hauses seinen Wohnsitz hierher.

Buhl erlangt als Erstbesteiger des Nanga Parbat (8125 m) am 3. Juli 1953 und des Broad Peak (8051 m) große Berühmtheit. Nach der Rückkehr vom Nanga Parbat wird Buhl in seiner Heimatgemeinde enthusiastisch gefeiert. Leider stürzt Buhl am 27. Juni 1957 nach der Besteigung des Chogolisa mit einer Wechte1 tödlich ab und ist seitdem verschollen. In der Ramsau erinnert eine Marmorplatte an der Friedhofsmauer und ein Bergsteiger-Ehrenmal vor der Tourist-Information an den Ausnahme-Bergsteiger.

1 stark verdichtete Schneeablagerung an Geländekanten

Gründung Nationlpark Berchtesgaden

1976 erhält Ramsau das Prädikat “Heilklimatischer Kurort” und 1978 setzt der Bayerische Staat mit der Gründung des Nationalparks Berchtesgaden ein wichtiges Zeichen für den Umwelt- und Naturschutz in Bayern.

Haupterwerbszweig der Ramsauer Bevölkerung ist neben der Landwirtschaft der Tourismus, der gerade nach dem Wegfall der Mauer und der Öffnung der Grenzen stark zunimmt. Trotzdem ist die Gemeinde bemüht, den sogenannten “Sanften Tourismus” zu praktizieren. Dabei steht der Erhalt der Natur und der gewachsenen bäuerlichen Kulturen stets im Vordergrund.

Errungenschaften, wie der Bau der zentralen Wasserversorgung und der Abwasserkanalisation oder des Gradierwerks sowie Modernisierungsmaßnahmen bei privaten und gewerblichen Unterkünften erhöhen den Erholungswert bei einem Aufenthalt in der Ramsau. Dazu tragen auch die Anlegung neuer Themen-Wanderwege, wie z.B., des Ramsauer Maler-Rundweges, des Mühlstein-Wegs Alm-Erlebniswegs und die Einrichtung der grenzüberschreitenden AlmErlebnisBus-Linie bei. Für Gäste, die das Hochgebirge erkunden wollen, steht eine Reihe von erfahrenen Bergführern zur Verfügung. Erwiesenermaßen gehört Ramsau deutschlandweit zu den Orten mit der höchsten Dichte an staatlich geprüften Berg- und Skiführern.