AVS-Ortsstelle Matsch und Sektion Obervinschgau

Bereits im Jahre 1884, 15 Jahre nach der Gründung des Alpenvereins, wurde in Mals durch Heinrich Flora die Sektion Vinschgau gegründet. Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Südtirol an Italien und mit der Machtergreifung der Faschisten wurden alle deutschsprachigen Vereine, also auch der Alpenverein, verboten.

Erst 1965 regte sich der Wunsch, wieder eine eigene Sektion zu gründen. Die eigentliche Ursache der Gründung war aber der Plan zum Wiederaufbau der Höllerhütte im Matscher Tal. Diese Schutzhütte war bereits im Jahre 1883 durch die Alpenvereinssektion Prag als Karlsbader Hütte errichtet worden (1902 umbenannt in Höllerhütte). 1945 brannte sie bis auf die Grundmauern ab und blieb eine trostlose Ruine am Fuße des Oberettesgletschers. Der Wunsch nach einem Wiederaufbau ging vorerst nicht in Erfüllung. Der Grund, auf dem die Hütte stand, lag nämlich im Grenzgebiet zu Österreich und gehörte dem Staat, der, von Sprengstoffanschlägen gebeutelt, die Grenzen genau kontrollierte. In den 1970erund 1980er-Jahren verbesserte sich die politische Situation und so konnte der Alpenverein zwei Schutzhütten wieder aufbauen: die ehemalige Pforzheimer Hütte im Schlinigtal, nun Sesvennahütte, und die ehemalige Höllerhütte, nun Oberetteshütte genannt.

Die Sektion Mals wurde 2013 in Sektion Obervinschgau umbenannt. Die AVS-Ortsstelle Matsch wurde im April 1979 gegründet und war von Anfang an sehr aktiv: 1980 markierten die Mitglieder die wichtigsten Steige in Matsch und kauften Ausrüstung an. Auch wurden Gipfelbücher auf den bekanntesten Bergen hinterlegt und eine Jugendgruppe gegründet. Gemeinsam mit den Langtauferern hat die Ortsstelle 1983 das Gipfelkreuz auf der Weißkugel errichtet und 1984 eingeweiht.

Schutzhüttenbau

In den Jahren 1984 und 1985 trieb der Alpenverein den Bau der Oberetteshütte voran: Eine Materialseilbahn und Wasserleitungen zur Hütte und zum Wasserkraftwerk wurden errichtet. Viele engagierte Freiwillige und ein tatkräftiger Ortsstellenleiter in der Person von Wilhelm Gunsch hauchten den verwaisten Gemäuern neues Leben ein. Sommer um Sommer, Sonntag um Sonntag, bei Regen, Schnee und Sonnenschein: Die Matscher und viele Handwerker des Vinschgaus hämmerten, mauerten, betonierten und zimmerten.1988 konnte die neue Hütte dann offiziell eingeweiht werden. In all den Jahren organisierte der Verein viele Wanderungen, Hoch- und Skitouren und Kletterausflüge. Der gesellige Teil kam dabei natürlich auch nicht zu kurz. Zuletzt wurden das Gipfelkreuz auf der Pleresspitze und einige Brücken im Talschluss von Matsch neu errichtet. Jedes Jahr hilft die Ortsstelle Matsch mit, die vielen Steige und Wege instand zu halten.

Heimliche Königin der Ötztaler

Der Hausberg der Matscher, die Weißkugel, kann auf eine lange Alpingeschichte zurückblicken. Die Erstbesteigung des mit 3.739 Metern zweithöchsten Gipfels der Ötztaler Alpen gelang nach einem Bericht von Erzherzog Johann von Österreich den beiden Schnalser Trägern Johann Gurschler und Josef Weitthalm vermutlich im Sommer 1845. Da dieser Bericht aber geraume Zeit unbemerkt blieb, galt der Wiener Tourist Josef Anton Specht lange als Erstbesteiger der Weißkugel im Jahre 1861. Der Name Weißkugel beruht auf einer Interpretation des Wortes „Kogel“, das eine spezielle Form eines Berggipfels in Tirol bezeichnet. Die Aussicht von der Weißkugel ist aufgrund ihrer zentralen Lage eine der umfassendsten der ganzen Alpen.